Projektübersicht2019-09-30T15:43:16+00:00

Projektübersicht

Das Vor-Pro­jekt umfass­te – unter Zuar­beit des Frei­staa­tes Sach­sens und der spä­ter zu invol­vie­ren­den wis­sen­schaft­li­chen Part­ner-Orga­ni­sa­tio­nen sowie exter­ner Fach­be­ra­ter – die For­mu­lie­rung der wis­sen­schaft­li­chen Ziel­set­zun­gen, das Ein­ho­len aller Geneh­mi­gun­gen und die Erar­bei­tung einer Pro­jekt­skiz­ze für das nach­fol­gend zu bean­tra­gen­de For­schungs­vor­ha­ben „GIGS“.
Das Haupt-Pro­jekt soll­te das Abteu­fen einer ver­ti­ka­len Pilot­boh­rung und im unmit­tel­ba­ren Anschluss danach einer hoch abge­lenk­ten Boh­rung zur Erkun­dung und Cha­rak­te­ri­sie­rung der Stö­rungs­zo­ne Roter Kamm und des­sen kon­ju­gier­ten Stö­run­gen im Gra­nit von Schnee­berg (Glees­berg Gra­nit) mit einem umfang­rei­chen wis­sen­schaft­li­chen Mess- und Test­pro­gramm umfas­sen.

   Abbil­dung: Geo­lo­gi­sche Kar­te der Regi­on Schneeberg/Bad Schle­ma

Am Pro­jekt­stand­ort Schneeberg/Bad Schle­ma kom­men ober­fläch­lich bis in ca. 1.200 m Tie­fe varis­zisch-regio­nal­me­ta­mor­phe Gesteins­for­ma­tio­nen (vor allem Ton-, Quar­zit- und Glim­mer­schie­fer ordovi­zi­schen Bil­dungs­al­ters) vor, in wel­che der spät­va­ris­zi­sche fluor­ar­me Bio­tit­gra­nit von Aue mit den Api­kalin­trusio­nen von Aue, Auer­ham­mer und Schnee­berg (Glees­berg) intru­dier­te. Sie­he dazu das 3D geo­lo­gi­sche Modell.

Die Kon­tur der Gra­ni­tober­flä­che ist durch Boh­run­gen und im Gru­ben­ge­bäu­de Schle­ma- Albero­da berg­män­nisch auf allen Soh­len auf­ge­schlos­sen. Sie fällt in nord- bis nord­öst­li­cher Rich­tung im Bereich der Orte Lan­gen­bach und Wild­bach auf 2.500 Meter bis 3.000 Meter unter Gelän­de­ober­kan­te ab. Unter­halb von 4.000 Meter bis 5.000 Meter steht der Bio­tit­gra­nit an.

Die ther­mo­phy­si­ka­li­schen Kenn­wer­te bezüg­lich der Wär­me­leit­fä­hig­keit und radio­ge­ner Wär­me­pro­duk­ti­on machen den Gra­nit von Aue zu einem der geo­ther­misch-prä­de­sti­nier­tes­ten Gra­nit­vor­kom­men des Erz­ge­bir­ges. Sei­ne Wär­me­leit­fä­hig­keit liegt zwi­schen 2,8 W/mK und 3,1 W/mK. Die radio­ge­ne Wär­me­pro­duk­ti­on des Gra­nits ist pri­mär sehr hoch (high heat pro­duc­tion gra­ni­te), aber im Gefol­ge sekun­dä­rer Pro­zes­se stark varia­bel und vari­iert ent­spre­chend der Teu­fen­la­ge und Posi­ti­on zu den U-Ver­er­zungs­zo­nen zwi­schen 2,0 μW/m³ und 11,0 μW/m³. Die pro­gnos­ti­zier­ten Tem­pe­ra­tu­ren für eine ver­ti­ka­le Ziel­tie­fe von ca. vier Kilo­me­tern unter Gelän­de­ober­kan­te lie­gen im Bereich von 150 °C bis 170 °C.

Das 20-mona­ti­ge Vor­pro­jekt umfass­te alle Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten für die Pla­nung und Durch­füh­rung einer vier­ein­halb Kilo­me­ter tie­fen und bis in die Hori­zon­ta­le abge­lenk­ten For­schungs­boh­rung “Sil­ber­berg” am Stand­ort Schneeberg/Bad Schle­ma sowie die Erar­bei­tung des dafür erfor­der­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Begleit­pro­gramms. Es wur­den im Zuge der Bear­bei­tung die­ser The­men kei­ne grund­sätz­li­chen Hin­der­nis­se, die gegen das Abteu­fen der For­schungs­boh­run­gen gespro­chen hät­ten, gefun­den.

Inner­halb die­ses Vor­pro­jekts wur­den dar­über hin­aus die dafür not­wen­di­gen wis­sen­schaft­li­chen, berg­recht­li­chen und tech­ni­schen Grund­la­gen und behörd­li­chen Zulas­sun­gen für das spä­te­re Haupt­pro­jekt geschaf­fen. Dies beinhal­te­te fol­gen­de The­men­be­rei­che:

  • Siche­rung von Grund­stück und berg­recht­li­cher Erlaub­nis für die Durch­füh­rung der Boh­rung “Sil­ber­berg” und sei­ner Pilot­boh­rung;
  • Bohr­pfad­aus­le­gun­gen und tech­ni­sche Bohr­pla­nun­gen;
  • Pla­nung und Start der Öffent­lich­keits­ar­beit;
  • Erar­bei­tung eines Über­wa­chungs- und Ent­sor­gungs­kon­zep­tes, Risi­ko­ma­nage­ment
  • Erar­bei­tung des wis­sen­schaft­li­chen Pro­gramms, ins­be­son­de­re:
    • Spe­zi­fi­zie­rung eines Fra­gen­ka­ta­logs zur Eva­lu­ie­rung der 3D-Seis­mik;
    • Kon­kre­ti­sie­rung des geo­lo­gi­schen Modells;
    • Wei­ter­füh­ren­de geologisch/mineralogische und hydrau­li­sche Cha­rak­te­ri­sie­rung der Stö­rung „Roter Kamm“ und
    • die Erar­bei­tung eines radio­lo­gi­schen und seis­mi­schen Moni­to­ring­kon­zep­tes und Bestim­mung von Abbruch­kri­te­ri­en.

Das Ziel des GIGS-Pro­jekts soll­te die zwei­ma­li­ge Dur­ch­ör­te­rung der „Roten Kamm“-Störung in ca. zwei bzw. vier Kilo­me­ter Ver­ti­kal­teu­fe mit Kern­ge­winn, geo­phy­si­ka­li­sche Bohr­loch­mes­sun­gen und För­der­tes­te sein. Die­se Bohr­stra­te­gie wies zuerst eine ver­ti­ka­le Pilot­boh­rung auf, die den Roten Kamm das ers­te Mal in den Schie­fern oder nahe am Über­gangs­be­reich zum Gra­nit antref­fen soll­te. Für die­se Arbei­ten war eine klei­ne mobi­le Bohr­an­la­ge vor­ge­se­hen und erst danach soll­te die Mobi­li­sie­rung einer gro­ßen Anla­ge für die Haupt­boh­rung statt­fin­den. Mit die­ser schwe­ren Bohr­an­la­ge war dann geplant die groß dimen­sio­nier­te Haupt­boh­rung mit Richt­bohr­tech­nik par­al­lel zur Pilot­boh­rung in der Form abzu­teu­fen, sodass der ers­te Durch­stoß­punkt am Roten Kamm mit Sicher­heit im Gra­nit ange­trof­fen und gekernt wer­den kann. In der Fol­ge wür­de die Haupt­boh­rung bis zu ihrem Kick-off Punkt im unge­stör­ten Gra­nit ver­ti­kal ver­tieft wer­den, um danach die Ablenk­ar­bei­ten wie­der in Rich­tung Roten Kamm ein­lei­ten zu kön­nen. Ver­ti­cal-Seis­mic-Pro­filing-Arbei­ten und ande­re Akti­vi­tä­ten (Seis­mik, Seis­mo­lo­gie, Hydro­lo­gie) könn­ten wäh­rend die­ser Pha­se unge­hin­dert und jeder­zeit in der Pilot­boh­rung statt­fin­den. In die­ser Bohr­sek­ti­on hät­ten auch die kon­ju­gier­ten Stö­run­gen des Roten Kamm ange­trof­fen wer­den sol­len, die je nach Maß­ga­be der Wis­sen­schaft wahl­wei­se gekernt, getes­tet oder mit Kabel­mes­sun­gen cha­rak­te­ri­siert wür­den. Die hoch abge­lenk­te und ca. 2 km lan­ge Richt­bohr­stre­cke im unge­stör­ten Gra­nit hät­te für das The­men­feld „Wis­sen­schaft­li­ches Boh­ren“ die idea­len Ein­satz­be­din­gun­gen mit aus­rei­chen­der Bohr­stre­cke gebo­ten, um die neu­es­ten und kom­mer­zi­ell ver­füg­ba­ren Bohr-, Mess- und Steue­rungs­werk­zeu­ge für deren Eig­nung im Gra­nit in den unter­schied­lichs­ten Tem­pe­ra­tur- und Nei­gungs­be­rei­chen aus­gie­big zu tes­ten und nach­hal­tig gegen­über­stel­len zu kön­nen.

Als Grund­la­ge für die tech­ni­sche Pla­nung die­ser bei­den For­schungs­boh­run­gen dien­te das geo­lo­gi­sche Vor­pro­fil und die ober­tä­gi­gen Bohr­platz­ver­hält­nis­se für den Stand­ort Bad Schlema/ehemalige Poli­zei­schu­le sowie die dar­aus abge­lei­te­ten vor­läu­fi­gen Bohr­pro­fi­le.

Das GIGS Haupt­pro­jekt wird nach Ent­schei­dung des BMWi und PtJ vom 06-09-2019 nicht wei­ter ver­folgt und die geplan­ten Bohr­ak­ti­vi­tä­ten somit nicht statt­fin­den.