FAQ2019-09-30T16:21:07+00:00

Häufig gestellte Fragen zum “GIGS” Projekt

Eine Stö­rungs­zo­ne stellt einen vor vie­len Mil­lio­nen Jah­ren durch tek­to­ni­sche Bewe­gung der Erd­krus­te erfolg­ten Abbruch einer geo­lo­gi­schen Schol­le dar. Aus die­ser Bruch­be­we­gung ent­stan­den Klüf­te (natür­li­che Ris­se) im Gestein, die sich mit Was­ser füll­ten. Die Stö­rungs­zo­ne namens „Roter Kamm“ fällt in Nord-Ost-Rich­­tung ein und weist im Bereich von Wild­bach eine Tie­fe von vier Kilo­me­tern unter Gelän­de auf. Auf­grund die­ser bevor­zug­ten Rand­be­din­gun­gen eig­net sich die­se Stö­rungs­zo­ne beson­ders für eine geo­lo­gi­sche bezie­hungs­wei­se geo­ther­mi­sche Erkun­dung.

Der Durch­tritt durch den Roten Kamm wird mit einem Voll­bohr­mei­ßel oder in man­chen Fäl­len auch mit einer Kern­bohr­gar­ni­tur erfol­gen. Damit wird gewähr­leis­tet, dass ent­spre­chen­des Kern­ma­te­ri­al von der Durch­tritts­stel­le nach über Tage gebracht wird. Es wer­den dafür kei­ne Beben, Spren­gun­gen oder sons­ti­ge Druck­wel­len benö­tigt. Die für die­se Dur­ch­ör­te­rung erfor­der­li­che gerin­ge Ener­gie wür­de nicht aus­rei­chen, um Berg­werks­ein­rich­tun­gen zu erschüt­tern. Ober­ta­ge wird man die­sen Arbeits­schritt auch nicht füh­len oder mes­sen kön­nen.

An Mate­ri­al wer­den aus die­sem Bereich nur der Bohr­kern und das bei den Bohr­ar­bei­ten anfal­len­de Bohr­k­lein ent­nom­men. Bei Test­ar­bei­ten erfolgt zusätz­lich noch eine Ent­nah­me einer klei­ne­ren Men­ge an For­ma­ti­ons­was­ser zur Bestim­mung der spä­te­ren Schüt­tungs­ra­te. Ansons­ten wird kein wei­te­res Mate­ri­al aus der Boh­rung ent­nom­men.

* „Dur­ch­ör­te­rung“ ist im Berg­bau die Bezeich­nung für „berg­män­nisch durch­schrei­ten“, was im Bohr­be­trieb so viel bedeu­tet wie „Durch­boh­ren“.

Der Stand­ort ist sowohl topo­gra­fisch als auch geo­lo­gisch der bes­te Stand­ort. Dort kön­nen die geplan­ten Bohr­ar­bei­ten für eine zwei­ma­li­ge Dur­ch­ör­te­rung des „Roten Kamm“ mit einer ein­zi­gen Boh­rung rea­li­siert wer­den. Des Wei­te­ren liegt dort die Stö­rung tief genug, um eine siche­re Abschät­zung ihrer Unter­ta­ge­tem­pe­ra­tur und Durch­läs­sig­keit in tie­fe­ren Stock­wer­ken durch­füh­ren zu kön­nen. Zusätz­lich spiel­ten die Gege­ben­hei­ten des Alt­berg­baus (offe­ne Stol­len, Hal­den), Schutz­ge­bie­te, Bebau­un­gen und die vor­han­de­ne Infra­struk­tur (Hoch­span­nungs­lei­tung, Stra­ßen, Ver­sor­gungs­lei­tun­gen, etc.) bei der Aus­wahl des Bohr­stand­or­tes eine wich­ti­ge Rol­le.

Der Aus­bau der Schnee­ber­ger Stra­ße war sei­tens des Erz­ge­birgs­krei­ses bereits unab­hän­gig vom GIGS Vor­ha­ben vor­ge­se­hen. Die GIGS Pro­jekt­pla­nung ist mit dem Land­rats­amt Erz­ge­birgs­kreis dahin­ge­hend abge­stimmt.

Für die Bohr­ar­bei­ten wird ein Bohr­un­ter­neh­men mit einer Gesamt­bohr­mann­schaft von cir­ca 50 Mit­ar­bei­tern beauf­tragt wer­den, die im Zwei- bis Drei-Schich­t­be­­trieb rund um die Uhr arbei­ten. Eine loka­le Rekru­tie­rung wird, wenn über­haupt, nur in begrenz­tem Rah­men statt­fin­den.

Für die Erstel­lung von Stu­di­en für behörd­li­che Bean­tra­gun­gen und Vor­be­rei­tun­gen für den Bohr­platz­bau wird vor­ran­gig auf regio­na­le Pla­ner, Gut­ach­ter und Bau­fir­men zurück­ge­grif­fen wer­den.

Im Auf­trag des Deut­schen Bun­des­ta­ges soll das Nut­zungs­po­ten­zi­al der tie­fen Erd­wär­me (Tie­fen­geo­ther­mie) zur Erzeu­gung von Strom und Wär­me unter­sucht wer­den.

Der Nach­weis einer wirt­schaft­li­chen Nut­zung von Erd­wär­me konn­te bereits in den Kalk­ge­stei­nen der Molas­se in Bay­ern, den Sand­stei­nen im Nord­deut­schen Becken und den Fest­ge­stei­nen im Ober­rhein­gra­ben erbracht wer­den. Nun wer­den die natür­lich was­ser­durch­läs­si­gen Stö­rungs­sys­te­me im Gra­nit des Erz­ge­bir­ges unter­sucht. Die damit ver­bun­de­nen For­schungs­ar­bei­ten sind ein wei­te­rer Bau­stein für eine nach­hal­ti­ge, emis­si­ons­freie und kli­ma­neu­tra­le Ener­gie­ver­sor­gung in Deutsch­land.

Ziel des Pro­jekts GIGS ist die Erkun­dung der Stö­rungs­zo­ne „Roter Kamm“ in der Regi­on Schnee­berg und Bad Schle­ma. Sie soll klä­ren ob die­ser zur geo­ther­mi­schen Ener­gie­ge­win­nung geeig­net ist. Zu die­sem Zweck wird zunächst eine For­schungs­boh­rung in die ent­spre­chen­de Tie­fe nie­der­ge­bracht, um die natür­li­chen Schüt­tun­gen und Tem­pe­ra­tu­ren der dort vor­han­de­nen For­ma­ti­ons­wäs­ser zu erkun­den. Die ver­ti­ka­le End­teu­fe die­ser Boh­rung liegt in rund 4 Kilo­me­ter unter Gelän­de­ober­kan­te.

In Abstim­mung mit dem Frei­staat Sach­sen und der Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaf­ten und Roh­stof­fe (BGR) und ihrer wis­sen­schaft­li­chen Part­ner ist das For­schungs­pro­jekt wie folgt unter­teilt. Es beginnt mit einem ein­jäh­ri­gen Vor­pro­jekt zur Ermitt­lung des wis­sen­schaft­li­chen For­schungs­pro­gramms und der Bean­tra­gung aller dafür erfor­der­li­chen behörd­li­chen Geneh­mi­gun­gen. Dar­an schließt sich ein ca. drei­jäh­ri­ges Haupt­pro­jekt mit dem Abteu­fen der geplan­ten For­schungs­boh­rung und wei­te­ren wis­sen­schaft­li­chen Expe­ri­men­ten in der fer­tig­ge­stell­ten Boh­rung an.

Die BGR wird beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWi) die Finan­zie­rung des Haupt­pro­jek­tes bean­tra­gen. Das kann erst nach Abschluss des Vor­pro­jekts erfol­gen, wenn die Zulas­sung der Bohr­ar­bei­ten durch das Säch­si­sche Ober­berg­amt ein­ge­gan­gen ist. Je nach Zeit­punkt der För­der­mit­tel­be­wil­li­gung könn­ten die Bohr­ar­bei­ten frü­hes­tens im Jahr 2021 begin­nen. Das Pro­jekt wäre in die­sem Fall Ende 2023 abge­schlos­sen.

Der finan­zi­el­le Gesamt­rah­men des For­schungs­vor­ha­bens wird sich vor­aus­sicht­lich auf über 25 Mil­lio­nen Euro belau­fen. Ein Teil des Betra­ges wird durch den Frei­staat Sach­sen über­nom­men, der den Bohr­platz erstellt. Nach­fol­ge­pro­jek­te wie auch wei­te­re Bohr­ak­ti­vi­tä­ten könn­ten sich auf Basis der gewon­ne­nen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se im Anschluss an das GIGS-Vor­­ha­­ben noch erge­ben.

Die­se sind — wenn über­haupt — nur von wis­sen­schaft­li­cher Natur. Die Boh­rung selbst stellt im Ver­gleich zum klas­si­schen Berg­bau, auf­grund ihrer gerin­gen Ein­griffs­grö­ße in den Unter­grund, kein erhöh­tes Bau­ri­si­ko dar. Durch sie kön­nen kei­ne nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt her­vor­ge­ru­fen wer­den. In mög­li­chen Fäl­len des Ein­tre­tens von Vor­triebs­pro­ble­men beim Boh­ren durch geo­lo­gisch begrün­de­te Bohr­loch­in­sta­bi­li­tä­ten wäre es aus­rei­chend, das Bohr­loch mit Zement auf­zu­fül­len. Damit könn­te der Unter­grund voll­stän­dig gestützt wer­den. Mecha­ni­sche Hava­ri­en, die im Zuge eines Bohr­be­triebs auf­tre­ten kön­nen, wie Bruch von Bohr­werk­zeu­gen oder Bohr­ge­stän­ge, kön­nen im Gra­nit erfah­rungs­ge­mäß mit guten Erfolgs­aus­sich­ten beho­ben wer­den. Ansons­ten bestehen auch noch die Mög­lich­keiten der Rück­ze­men­tie­rung und Boh­rungs­ab­len­kun­gen, um den Vor­trieb wie­der zu ermög­li­chen.

Sie­he dazu auch Fra­ge: “Kann es durch die Boh­rung zu Schä­den an der Ober­flä­che kom­men?”

Das größ­te Risi­ko für das Pro­jekt wäre ein Ergeb­nis, wonach kei­ne aus­rei­chend vor­han­de­ne Was­ser­durch­läs­sig­keit an den Kluft­sys­te­men im Gra­nit vor­han­den ist. In solch einem Fall könn­te kein wirt­schaft­lich ren­ta­bler geo­ther­ma­ler Aus­bau ins Auge gefasst wer­den.

Nein. Ober­flä­chen­schä­den kön­nen nur in Fol­ge von Absen­kun­gen oder Gelän­de­he­bun­gen sowie Boden­er­schüt­te­run­gen auf­tre­ten, wie sie im klas­si­schen Berg­bau hin und wie­der vor­kom­men. Eben­so kön­nen sich die­se Phä­no­me­ne wie auch indu­zier­te Erd­be­ben nur in Ver­bin­dung mit einer mas­si­ven Ent­nah­me von Mate­ri­al oder Flüs­sig­kei­ten aus dem Unter­grund ereig­nen. Die­ser Effekt kann hier nicht auf­tre­ten. Dazu ist die Grö­ßen­ord­nung der im Rah­men des GIGS-Pro­jekts ent­nom­me­nen Gesteins­men­gen oder For­ma­ti­ons­wäs­ser zu klein.
Umge­kehrt kann auch kei­ne Gelän­de­he­bung auf­tre­ten, wie sie beim Geo­ther­mie­pro­jekt in der Stadt Staufen/Baden Würt­tem­berg im Jahr 2007 gesche­hen ist. In Stau­fen war die Bohr­spü­lung in die Gips­for­ma­ti­on unter der Stadt ein­ge­drun­gen und hat­te zum Auf­quel­len des Unter­grun­des geführt. Infol­ge­des­sen war es zu erheb­li­chen Schä­den an den Gebäu­den gekom­men. Im mag­ma­ti­schen Urge­stein des Erz­ge­bir­ges kön­nen kei­ne Gips­for­ma­tio­nen ange­trof­fen wer­den, wes­halb auch die­ser Effekt mit Sicher­heit aus­ge­schlos­sen wer­den kann.

Ja. Die­se sind öffent­lich publi­ziert und müs­sen per Gesetz ein­ge­hal­ten wer­den. Die zustän­di­gen Behör­den über­wa­chen deren Ein­hal­tung in regel­mä­ßi­gen Abstän­den.

Nein. Der Bohr­punkt sowie der geplan­te Boh­rungs­pfad lie­gen nicht im Bereich des ehe­ma­li­gen Wis­mut-Berg­baus. An der Lie­gen­schaft gibt es ein­zel­ne Stol­len aus frü­he­rem Pro­be­berg­bau sowie einen auf­ge­las­se­nen Schacht. Der Ansatz­punkt für die GIGS-Boh­rung wur­de aber so gewählt, dass die­ser nicht in unmit­tel­ba­rer Nähe von Gru­ben- oder Schacht­an­la­gen liegt. Somit ist das Risi­ko, wäh­rend der Bohr­ar­bei­ten eine auf­ge­las­se­ne Gru­be anzu­fah­ren, nach mensch­li­chem Ermes­sen aus­ge­schlos­sen. Soll­ten wider Erwar­ten den­noch unter­tä­gi­ge Hohl­räu­me durch die Boh­rung ange­fah­ren wer­den, kann die heu­ti­ge moder­ne Bohr­tech­nik mit der­ar­ti­gen Vor­fäl­len sehr gut umge­hen. Nach kur­zer Repa­ra­tur-Zemen­ta­ti­ons­ar­beit im Bohr­loch kön­nen die Bohr­ar­bei­ten ohne wei­te­re Unter­bre­chung sicher fort­ge­setzt wer­den.

Die erwar­te­ten Lärm­emis­sio­nen der Bohr­an­la­ge wer­den durch ent­spre­chen­de Mini­mie­rungs­maß­nah­men die zuläs­si­gen Grenz­wer­te für die­se Loka­ti­on nicht errei­chen. Eine moder­ne elek­tri­sche Bohr­an­la­ge, wie sie für das Pro­jekt vor­ge­se­hen ist, erzeugt sogar einen sehr viel gerin­ge­ren Lärm­pe­gel als die sonst her­kömm­li­chen die­sel­be­trie­be­nen Anla­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den auch die geplan­ten durch­gän­gi­gen Arbeits­zei­ten – 24 Stun­den, sie­ben Tage die Woche – kein Pro­blem für die Umwelt und Anwoh­ner dar­stel­len.

Nein. Beim Fracking wer­den Ris­se im Gestein durch Drucksti­mu­la­tio­nen oder che­mi­sche / mecha­ni­sche Bohr­loch­be­hand­lun­gen künst­lich erzeugt. Im Rah­men des GIGS-For­schungs­pro­jekts sind sol­che Maß­nah­men nicht vor­ge­se­hen. Soll­ten für spä­te­re Nach­fol­ge­pro­jek­te unter Umstän­den Was­ser-Fracs* in Erwä­gung gezo­gen wer­den, dann bedür­fen die­se einer getrenn­ten Zulas­sung durch das zustän­di­ge Berg­amt. Die­se wür­den dann aus­schließ­lich für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke und ohne Che­mi­ka­li­en­zu­satz und auch nur in unge­stör­ten Gra­nit­for­ma­tio­nen durch­ge­führt wer­den.

*Was­ser-Fracs sind Sti­mu­la­ti­ons­maß­nah­men, bei denen künst­li­che Ris­se im Unter­grund erzeugt wer­den. Dies geschieht mit Hil­fe des Ein­pum­pens von Salz­was­ser, bei hohen Injek­ti­ons­ra­ten und unter hohen Drü­cken, aber ohne jeg­li­chen Che­mi­ka­li­en und Fest­stoff­zu­satz.

Durch die Ein­ze­men­tie­rung der Stahl­ver­roh­run­gen und deren stets voll­stän­di­ge Fül­lung mit Was­ser ist das Bohr­loch gegen Ein­flüs­se von Erd­be­ben aus dem Gebir­ge bes­tens geschützt.

Nein. Bis­her sind welt­weit kei­ne Seis­mi­zi­tä­ten bekannt, die durch einen Bohr­fort­gang aus­ge­löst wur­den. Die Gefahr eines anthro­po­gen indu­zier­ten Erd­be­bens kann zum Bei­spiel durch unter­tä­gi­ge Spreng­ar­bei­ten oder lang­jäh­ri­ge Erd­öl- und Erd­gas­för­de­rung ent­ste­hen. Bei einer For­schungs­boh­rung wie GIGS ist dies aus­zu­schlie­ßen. Denn hier wer­den nicht die dafür not­wen­di­gen Men­gen an Gesteins­ma­te­ri­al und For­ma­ti­ons­wäs­sern ent­nom­men. Eben­so sind seis­mi­sche Ereig­nis­se, wie sie als Fol­ge von hohen Was­serin­jek­ti­ons­ra­ten ein­tre­ten könn­ten, bei die­sem For­schungs­vor­ha­ben nicht mög­lich.

Nein. Nach dem heu­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis­stand wer­den Schwarm­be­ben wahr­schein­lich durch vom Erd­man­tel auf­stei­gen­des CO2 erzeugt, wenn sich die­ses Gas einen Fließ­weg nach Ober­ta­ge sucht. Schwarm­be­ben tre­ten vor­ran­gig im Vogt­land und der tsche­chi­schen Eger-Regi­on auf, wo auch der

ober­tä­gi­ge Aus­tritt von CO2 über Mof­et­ten seit Lan­gem bekannt ist. In der Regi­on Schneeberg/Bad Schle­ma sind kei­ne CO2-Vor­kom­men bekannt. Das geo­lo­gi­sche Lan­des­amt für Sach­sen (LfULG) hat umfang­rei­che Stu­di­en zu einer mög­li­chen Schwarm­be­ben­ge­fahr durch­füh­ren las­sen und kann dies heu­te für die­se Regi­on aus­schlie­ßen.

Nein. Nach dem heu­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis­stand wer­den Schwarm­be­ben wahr­schein­lich durch vom Erd­man­tel auf­stei­gen­des CO2 erzeugt, wenn sich die­ses Gas einen Fließ­weg nach Ober­ta­ge sucht. Schwarm­be­ben tre­ten vor­ran­gig im Vogt­land und der tsche­chi­schen Eger-Regi­on auf, wo auch der ober­tä­gi­ge Aus­tritt von CO2 über Mof­et­ten seit Lan­gem bekannt ist. In der Regi­on Schneeberg/Bad Schle­ma sind kei­ne CO2-Vor­­­kom­­men bekannt. Das geo­lo­gi­sche Lan­des­amt für Sach­sen (LfULG) hat umfang­rei­che Stu­di­en zu einer mög­li­chen Schwarm­be­ben­ge­fahr durch­füh­ren las­sen und kann dies heu­te für die­se Regi­on aus­schlie­ßen.

Nein. Die GIGS-Bohr­lo­ka­ti­on liegt in der Regi­on des ehe­ma­li­gen Uran-Berg­baus der Wis­mut, in der auch ein natür­lich leicht­ra­dio­ak­ti­ves Gesteins­ma­te­ri­al ange­trof­fen wer­den kann. Die­ses könn­te unter Umstän­den die Iso­to­pe von Uran, Tho­ri­um, Blei und das radio­ak­ti­ve Gas Radon in klei­nen Men­gen ent­hal­ten. Die zu erwar­ten­den maxi­ma­len radio­ak­ti­ven Kon­zen­tra­tio­nen der Gestei­ne sind aus der ehe­ma­li­gen Uran­ex­plo­ra­ti­on bekannt und kön­nen als unbe­denk­lich ein­ge­stuft wer­den.

Für sämt­li­che Arbei­ten im GIGS-Pro­jekt gel­ten trotz­dem stren­ge radio­ak­ti­ve Grenz­wer­te, wes­halb an der Bohr­an­la­ge rund um die Uhr ein radio­lo­gi­sches Über­wa­chungs- und Warn­sys­tem instal­liert sein wird. So kön­nen die Strah­lungs­wer­te am Bohr­loch­aus­lauf jeder­zeit über­wacht und bei Über­schrei­tun­gen der erlaub­ten Höchst­wer­te der Bohr­be­trieb jeder­zeit ein­ge­stellt bezie­hungs­wei­se das Bohr­loch ein­ge­schlos­sen wer­den, um jeg­li­chen radio­ak­ti­ven Aus­tritt zu ver­hin­dern.  Auf den Arbeits­schutz für die Bohr­mann­schaft wird durch regel­mä­ßi­ge Unter­wei­sung beson­de­rer Wert gelegt.

Im GIGS-Pro­­jekt wer­den – wie in jedem Bohr­be­trieb – auch Abfäl­le pro­du­ziert. Die­se wer­den sach­ge­mäß unter Ein­hal­tung der Abfall­richt­li­ni­en von Spe­zi­al­fir­men und unter Auf­sicht der zustän­di­gen Behör­den aus­nahms­los in zuge­las­se­nen Anla­gen ent­sorgt. Dar­un­ter fal­len zunächst die bei der Boh­rung übli­chen berg­män­ni­schen Abfäl­le an, wie zum Bei­spiel Bohr­k­lein, Zement­schläm­me und Bohr­spü­lung. Die mit der Bohr­spü­lung gege­be­nen­falls an die Ober­flä­che geför­der­ten natür­lich radio­ak­ti­ven Stof­fe oder Wäs­ser wer­den bei Über­schrei­tung des gesetz­lich erlaub­ten Strahlungswer­tes von 0,2 Bec­que­rel pro Gramm von Spe­zi­al­un­ter­neh­men zu zuge­las­se­nen Auf­be­rei­tungs­an­la­gen oder Depo­ni­en gebracht.

Die im Rah­men der wis­sen­schaft­li­chen Expe­ri­men­te ent­nom­me­nen For­ma­ti­ons­wäs­ser wer­den nach Abschluss der Tests wie­der in das Gebir­ge zurück gepumpt. Eine che­mi­sche Behand­lung oder eine ober­tä­gi­ge Ent­sor­gung oder Ein­lei­tung von die­sen in Ober­flä­chen­ge­wäs­ser ist nicht vor­ge­se­hen.

Nein. Der gewähl­te Pro­jekt­stand­ort kann auf­grund sei­ner Berg­bau­ver­gan­gen­heit und sei­nes zer­klüf­te­ten Unter­grunds für ein mög­li­ches End­la­ger nicht in Fra­ge kom­men. Das For­schungs­vor­ha­ben GIGS ver­folgt aus­schließ­lich das Ziel des Nach­wei­ses, ob durch­läs­si­ge Klüf­te für die Nut­zung der Erd­wär­me in den Gra­ni­ten des Erz­ge­bir­ges geeig­net sind. Im Rah­men der Zulas­sung des Haupt­be­triebs­plans muss sei­tens des säch­si­schen Ober­berg­amts auch eine Aus­schluss­be­wer­tung des Stand­orts nach Stand­ort­aus­wahl­ge­setz durch­ge­führt wer­den. Der Haupt­be­triebs­plan kann vom Berg­amt nur dann zuge­las­sen wer­den, wenn der Stand­ort vom Bun­des­amt für End­la­ger­su­che für ein poten­zi­el­les End­la­ger als unge­eig­net ange­se­hen wird. Von die­ser Ein­schät­zung wird nach heu­ti­gem Kennt­nis­stand aus­ge­gan­gen.

Im Vor­pro­jekt wer­den aus­schließ­lich admi­nis­tra­ti­ve und wis­sen­schaft­li­che Vor­ar­bei­ten für die Bean­tra­gung zur Zulas­sung der geplan­ten For­schungs­boh­rung geleis­tet. Bei einer Fol­ge­fi­nan­zie­rung durch das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in Rah­men eines Haupt­pro­jekts könn­te sich GIGS zum Leucht­turm­pro­jekt auf dem Gebiet der rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­for­schung ent­wi­ckeln. Aus der Regi­on Bad Schle­ma und Schnee­berg könn­ten wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten von höchs­tem inter­na­tio­na­len Inter­es­se her­vor­ge­hen. Das wür­de das Image der Regi­on ins­ge­samt wei­ter stär­ken.

Soll­te das Pro­jekt erfolg­reich sein, könn­te die­se Boh­rung zu einem spä­te­ren Zeit­punkt gege­be­nen­falls auch zur kom­mer­zi­el­len Gewin­nung von Erd­wär­me genutzt wer­den.

Zu DDR-Zei­ten gab es ein For­schungs­vor­ha­ben für das Abteu­fen einer Dublet­te von der “1620 Meter“ Soh­le. In den Jah­ren 1984/85 wur­de dafür eine Bohr­kam­mer frei­ge­sprengt, aber danach das Pro­jekt aus Kos­ten­grün­den auf Eis gelegt. Die Wis­mut teuf­te von die­ser Kam­mer auf eige­ne Kos­ten eine 850 Meter tie­fe Kern­boh­rung durch die Schie­fer- und pro­duk­ti­ve Zone bis zur Ober­kan­te des Gra­nits bei 2365 Meter unter Gelän­de­ober­kan­te ab. Die Boh­rung erreich­te eine Bohr­loch­soh­len­tem­pe­ra­tur von 81 Grad Cel­si­us und wur­de danach auf­ge­ge­ben.

Es han­delt sich um ein- und die­sel­be Initia­ti­ve. Ledig­lich die Ver­ant­wor­tung ist seit­dem auf Bun­des­ebe­ne vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt (BMU) zum Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft (BMWi) über­ge­gan­gen.

Ja. Die Stadt­wer­ke Schnee­berg sind über alle vor­be­rei­ten­den Pro­jekt­schrit­te infor­miert. Die­se ers­te Boh­rung dient aus­schließ­lich dem wis­sen­schaft­li­chen Nach­weis für einen zukünf­tig aus­zu­bau­en­den wirt­schaft­li­chen Geo­ther­mal­be­trieb.

Das an der Bohr­stel­le geplan­te Infor­ma­ti­ons­zen­trum kann nach Vor­anmel­dung besucht wer­den. Die Ansprech­part­ner für Anfra­gen wer­den der für die Bohr­ar­bei­ten ver­ant­wort­li­che BGR-Mit­­ar­bei­­ter und der Bohr­meis­ter des Bohr­un­ter­neh­mers an der Bohr­an­la­ge sein.

Ein Bohr­platz für eine Tief­boh­rung umfasst rund 7.000 Qua­drat­me­ter. Dies ent­spricht unge­fähr der Grö­ße eines Fuß­ball­fel­des, was nur cir­ca 20 Pro­zent der Lie­gen­schaft der ehe­ma­li­gen Poli­zei­schu­le aus­macht. Also ist die Grö­ße des Grund­stücks mehr als aus­rei­chend für die geplan­ten Bohr­ar­bei­ten.

Es soll eine etwa vier­ein­halb Kilo­me­ter tie­fe For­schungs­boh­rung ent­ste­hen. Nach Aus­sa­ge der ver­ant­wort­li­chen Wis­sen­schaft­ler ist die­se End­teu­fe für einen wis­­sen­­schaf­t­­lich-geo­ther­­ma­­len Nach­weis aus­rei­chend. Spä­te­re kom­mer­zi­el­le geo­ther­ma­le Pro­duk­ti­ons­boh­run­gen könn­ten bei Bedarf auch noch tie­fer gebohrt wer­den. Bei einem Nicht­an­tref­fen des „Roten Kamm“ wird man sehr wahr­schein­lich kei­nen zwei­ten Ver­such an die­ser Loka­ti­on unter­neh­men.

Wahr­schein­lich sind das – basie­rend auf den geo­phy­si­ka­li­schen Inter­pre­ta­tio­nen – wei­te­re mag­ma­ti­sche oder mag­ma­tisch gepräg­te Gestei­ne. Genau weiß man das nicht. Aber so tief kön­nen wir in die­sem Pro­jekt aus Kos­ten­grün­den lei­der nicht boh­ren. Tech­nisch wäre das aber durch­aus mög­lich.

Außer dem erbohr­ten Durch­mes­ser (Bohr­ker­ne und Bohr­k­lein) wird kein wei­te­res Mate­ri­al aus der Boh­rung ent­nom­men. Offe­ne Klüf­te sind in der Regel mit Flüs­sig­keit gefüllt. Da im Kris­tal­lin (hier: Gra­nit) kei­ne Koh­len­was­ser­stof­fe zu erwar­ten sind, wird es sich hier um For­ma­ti­ons­was­ser han­deln. Die­ses wird zu For­schungs­zwe­cken in klei­nen Men­gen ent­nom­men und danach wie­der zurück­ge­führt.

Die­se Boh­rung unter­lag nach ihrer Fer­tig­stel­lung einem nie­der­säch­si­schen Mora­to­ri­um und es durf­te an die­ser Loka­ti­on nicht wei­ter gear­bei­tet wer­den. Zur­zeit ist eine Wie­der­auf­nah­me der wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten an der Boh­rung in Pla­nung.

Ursprüng­lich war eine hori­zon­ta­le Stre­cke am Ende der Boh­rung erfor­der­lich, um den zwei­ten Durch­stoß­punkt des „Roten Kamm“ auf dem schnells­ten Weg und mit der kür­zes­ten Bohr­stre­cke zu errei­chen. Es wer­den in die­sem Vor­pro­jekt aber auch noch ande­re alter­na­ti­ve Bohr­pfa­de ana­ly­siert und bewer­tet, so dass eine Hori­zon­tal­stre­cke in der Boh­rung Sil­ber­berg als nicht zwin­gend not­wen­dig ange­se­hen wird.

Abhän­gig von den zu erzie­len­den För­der­ra­ten wird von einer Boh­­rungs-Du­­ble­t­­te (eine Pro­­­duk­­ti­ons- und eine Injek­ti­ons­boh­rung) im Gra­nit eine Leis­tungs­ka­pa­zi­tät von 10 bis 20 Mega­watt an Wär­me oder 5 Mega­watt an elek­tri­scher Ener­gie erwar­tet. Dies wür­de laut Aus­sa­ge der Stadt­wer­ke Schnee­berg etwa 2/3 des jähr­li­chen Ener­gie­ver­brauchs von Bad Schle­ma ent­spre­chen.

Geo­ther­mie ist — neben Wind-, Solar, Bio­en­er­gie und Was­ser­kraft — eine Form der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Mit zuneh­men­der Tie­fe steigt die Tem­pe­ra­tur – der Anstieg beträgt cir­ca 3 Grad Cel­si­us pro 100 Meter. In einer Tie­fe von 4.000 Meter wer­den des­halb min­des­tens 130 Grad Cel­si­us erwar­tet. Zur Gewin­nung von Wär­me oder Strom gibt es zwei Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der wird das im Gestein vor­han­de­ne For­ma­ti­ons­was­ser direkt genutzt oder man ent­zieht dem Gestein im Unter­grund die Ener­gie nach dem Wär­­me­­tau­­scher-Prin­zip. Letz­te­res geschieht durch Ein­pum­pen von kal­tem und Rück­för­de­rung von auf­ge­heiz­tem Ober­flä­chen-Was­­ser über eine För­der­boh­rung.

Wenn kein Inter­es­se sei­tens des Frei­staa­tes Sach­sen zur Über­nah­me der Boh­rung(en) am Ende des Haupt­pro­jek­tes besteht, wer­den die­se zu Pro­jek­ten­de wie­der ver­füllt.

Die Risi­ken für direkt aus den Bohr­ar­bei­ten abzu­lei­ten­de Schä­den trägt der Bohr­un­ter­neh­mer bezie­hungs­wei­se der Pro­jekt­füh­rer BGR. Für mög­li­che Fol­ge­schä­den im Umfeld der Boh­rung ist der Frei­staat Sach­sen Ansprech­part­ner.

Der Durch­tritt durch die Stö­rungs­zo­ne „Roter Kamm“ wird aus­nahms­los mit dem Bohr­mei­ßel erfol­gen. Es wer­den kei­ne Beben erzeugt oder geplant. Die ein­ge­setz­te Ener­gie reicht nicht aus, um ehe­ma­li­ge Berg­werks­ein­rich­tun­gen zu erschüt­tern.

Aus Grün­den der Dru­cker­hal­tung muss bei Geo­ther­mal­pro­jek­ten in Stö­rungs­zo­nen das ent­nom­me­ne abge­kühl­te Ther­mal­was­ser immer in die­sel­be Zone zurück­ge­bracht wer­den. Ansons­ten wür­de es in die­sen Span­nungs­zo­nen zu unnö­ti­gen Unter­druck­ver­hält­nis­sen und zu einer damit ver­bun­de­nen Erd­be­ben­ge­fahr kom­men.

Durch die Ein­ze­men­tie­rung der tech­ni­schen Stahl­rohr­tou­ren in eine Boh­rung wer­den alle Grund­was­ser­ho­ri­zon­te voll­stän­dig hydrau­lisch iso­liert. Somit kann kei­ner­lei Tie­fen­was­ser über die Stre­cke der Boh­rung mit den Trink­was­ser­ho­ri­zon­ten sowie mit ande­ren was­ser­füh­ren­den Hori­zon­ten außer­halb der Boh­rung in Ver­bin­dung kom­men. Dies gilt auch für die GIGS For­schungs­boh­rung und die Gru­ben­wäs­ser des benach­bar­ten ehe­ma­li­gen Wis­mut Berg­baus.

Nein. Die Radon­quel­len für das Kur­bad wer­den durch Ober­flä­chen­was­ser gespeist. Die­se för­dern in einer Tie­fe von 50 Meter aus den Klüf­ten des Glees­berg Gra­nits radon­hhal­ti­ges Süß­was­ser, was direkt in das Kur­bad gelei­tet wird. Der davon cir­ca 1,5 Kilo­me­ter ent­fernt gele­ge­ne Bohr­an­satz­punkt der For­schungs­boh­rung liegt auf der gegen­über­lie­gen­den hang­en­den Sei­te der „Roten Kamm“ Stö­rung. Damit steht sie in kei­nem Kon­takt zu den Quel­len. Die Ziel­tie­fe für die Unter­su­chung der zukünf­ti­gen Geo­ther­­mie-Wäs­­ser liegt dar­über hin­aus in mehr als vier Kilo­me­ter Tie­fe unter­halb der Zwi­ckau­er Mul­de bei Har­ten­stein. Über eine der­ar­ti­ge Distanz ist eine hydrau­li­sche und che­mi­sche Beein­flus­sung der Radon-Kur­quel­­len in Bad Schle­ma mit Sicher­heit aus­zu­schlie­ßen.